XY-Spezial 2: Wo ist mein Kind? vom 02.11.2011

Inhaltsverzeichnis

Filmfälle

Vermisst: Tanja M.

Inhalt

  • Dienststelle: Kripo Wuppertal
  • Kommissar im Studio: Alexander Kresta
  • Tag des Verschwindens: 21. Oktober 1998, gegen 08:30 Uhr
  • Details: 15-jährige Tanja M. seit 1998 vermisst; einziges Kind von Elisabeth und Wolfgang M.; wächst wohlbehütet in einem Reihenhaus in einer beschaulichen Wuppertaler Wohngegend auf; 10. Klasse des Carl-Duisberg-Gymnasiums; auffallend hübscher Teenager; besucht regelmäßig die Tanzschule; Traum: Tänzerin in einem Musical; hat seit einigen Wochen einen festen Freund; häufiger kleinere Streitereien mit den Eltern; meist löst sich der Konflikt wieder in Luft auf; Tanja wollte mehr Freiheiten haben; ältere Freunde; 21. Oktober 1998, gegen 08:30 Uhr: ruft von zu Hause aus ihre Mutter an; hat erst um 10:00 Uhr Schule; versichert sich, dass ihre Mutter sie später von der Schule abholt; Mutter wartet gegen 13:15 Uhr vergeblich vor der Schule; vermutet, dass Tanja doch an einem Streitschlichter-Programm teilnimmt; um 17:00 Uhr ruft eine Freundin an; Tanja war nicht in der Schule; Vermisstenanzeige; Polizei vermutet anfangs kein Verbrechen; am 23. Oktober erhalten die besorgten Eltern einen Brief von Tanja; kein Absender; sollen sich keine Sorgen machen; kündigt ihre Rückkehr in "2-3 Wochen" an; am 27. Oktober: weiterer Brief; kündigt ihre Rückkehr nun schon "am nächsten Wochenende" an; doch Tanja erscheint nicht; ungewöhnlicher Schreibstil; vermutlich gezwungen worden; Tanjas DNA auf der hinteren Klebelasche; hat außer ihrer Schultasche nichts von Zuhause mitgenommen; nach vier Wochen: Ausdehnung auf den Kölner Raum; mehrere Zeugen wollen Tanja im Rotlicht-Milieu gesehen haben; mehr als 360 Hinweise ergebnislos überprüft; bis heute großes Rätsel;
  • Zitate: "Das war das letzte Gespräch. Da deutete nichts auf die Katastrophe hin, die sich an dem Tag noch ergeben sollte."
  • Besonderheiten: Mutter von Tanja anwesend
  • Belohnung: keine Angaben
  • Bewertung: **
  • Status: ungeklärt

Nachspiel

Auch nach mehr als 20 Jahren konnte der Verbleib von Tanja M. nicht geklärt werden. Die 15-Jährige, die ihr Elternhaus am 21. Oktober 1998 morgens in Richtung Schule verlassen hat, gilt seitdem als spurlos verschwunden. Trotz der intensiven und jahrzehntelangen Ermittlungen ist die Kripo Wuppertal auch nach mehr als 20 Jahren nicht erkennbar in ihren Erkenntnissen vorangekommen. In all den Jahren bzw. Jahrzehnten der Ermittlungen tauchte weder ein Lebenszeichen von Tanja noch eine Spur oder ein Kleidungsstück von der 15-Jährigen wieder auf. Nie hat es einen Tatverdächtigen oder eine heiße Spur zu Tanja gegeben, die Ermittlungen gestalteten sich von Anfang an als enorm schwierig. Es gab keinen Tatort, keine Leiche, keine Zeugen sowie daraus resultierend keine Ermittlungsansätze.

Das Schicksal der 15-Jährigen aus Wuppertal-Oberbarmen wurde vielfach medial aufbereitet: Nach dem spurlosen Verschwinden Tanjas folgten intensive Öffentlichkeitsfahndungen, Beiträge in Fahndungssendungen wie "Aktenzeichen XY" und ausgiebige Dokumentationen. Von Anfang an erhielt der Fall eine breite mediale Aufmerksamkeit. Doch trotz dieser offensiven Fahndung nach Zeugen und/oder möglichen Mitwissern traten die Ermittler und allen voran Kriminalkommissar Alexander Kresta stets auf der Stelle.

Auch als die Ermittlungen nach vier Wochen aufgrund von Zeugenaussagen auf den Kölner Raum und vor allem auf das Rotlichtmilieu ausgedehnt werden, ließ sich keine Spur zu Tanja finden. Etliche Hinweisgeber geben an, Tanja gleichzeitig an den unterschiedlichsten Stellen in Deutschland gesichtet zu haben. Unter anderem befand sich auch ein Hinweis darauf, dass sich in einem silbergrauen PKW mit Kölner Kennzeichen ein Mädchen befunden haben soll, welches Tanja ähnlich gesehen haben soll. Trotz der Unglaubwürdigkeit vieler Hinweise überprüfte die Kripo Wuppertal jeden einzelnen der mehr als 360 Hinweise akribisch und gewissenhaft - ohne dabei jedoch auch nur die geringste Spur zu Tanja aufnehmen zu können. Darüber hinaus ließ die Kripo auch die letzten Aufnahmen von Tanja digital altern, um die Fotos an die Realität anzupassen und so etwaige Hinweise aus der Bevölkerung generieren zu können. Doch auch dies blieb erfolglos.

Die Mutter von Tanja, Elisabeth M., seit 2001 geschiedene Elisabeth K., berichtet, dass es seit Anbeginn der Pubertät Tanjas oftmals zu Streitereien im Elternhaus gekommen ist und das Verhältnis zwischen den Eltern und Tanja zusehends schwieriger und angespannter wurde. Tanja habe sich stets mehr Freiheiten gewünscht, um so mit ihrem älteren Freundeskreis mithalten zu können. Ihre Eltern hielten die von Tanja geforderten Freiheiten aber für nicht altersgemäß. Auch am Abend vor dem spurlosen Verschwinden der 15-Jährigen ist es erneut zu einem Streit mit ihren Eltern gekommen, woraufhin Tanja Hilfe bei "Pro Familia", einem deutschlandweiten Verbund von Beratungsstellen bezüglich Familienplanung, gesucht hat. Die Beratungsstelle bei "Pro Familia" sah die Angelegenheit jedoch außerhalb ihrer Kompetenzen und vermittelte Tanja an das Jugendamt weiter. Tanja rief anschließend mehrfach die Fax-Nummer des Jugendamtes an, ohne jedoch jemanden zu erreichen. Die Kripo konnte ermitteln, dass Tanja einen gewissen Druck verspürt hatte, aus ihrem Elternhaus rauszukommen und zog auch Wohngruppen und somit den Auszug aus dem Elternhaus in Betracht. Jedoch soll die Diskussion nach den Angaben der Mutter am nächsten Tag keine Rolle mehr gespielt haben. Tanja soll sich an dem Morgen ihres spurlosen Verschwindens in keiner Weise auffällig oder anders verhalten haben.

Für die Kripo ist es bis heute schwer zu verifizieren, ob Tanja am Morgen des 21. Oktober 1998 aus freien Stücken von zu Hause ausgerissen ist oder ob sie Opfer einer Entführung bzw. eines Kapitalverbrechens wurde. Dank aufwendiger linguistischer Gutachten konnte sichergestellt werden, dass die beiden von Tanja verschickten Briefe höchstwahrscheinlich auch von Tanja selbst verfasst worden sind. Darüber hinaus konnte durch eine kriminaltechnische Untersuchung der Briefe festgestellt werden, dass die hintere Klebelasche der beiden Briefe mit Speichel von Tanja verklebt worden ist. Dennoch besteht weiterhin die Möglichkeit, dass Tanja gezwungen wurde, die Briefe zu verfassen bzw. dass der Inhalt der Briefe und somit der Verweis auf ihre schnelle Rückkehr diktiert worden sind. Der Schreibstil deckt sich nicht mit Tanjas gewohnter Artikulation, die Sätze wirken kurz und knapp statt lang und verschachtelt.

Des Weiteren spricht der Umstand, dass Tanja von ihrem Zuhause nichts außer ihrer Schultasche mitgenommen hat, gegen ein freiwilliges Verschwinden. Auch sonst spricht vieles dagegen, dass sie freiwillig von ihrem Zuhause weggelaufen ist. Die 15-Jährige befand sich seit kurzer Zeit in einer festen Beziehung mit einem Schulkameraden, welcher auch keinerlei Hinweise oder Andeutungen auf ein bevorstehendes freiwilliges Verschwinden vernommen hatte.

Der WDR widmete der Suche nach Tanja und dem daraus resultierenden Leid der Angehörigen, insbesondere der Mutter Elisabeth K., im November 2017 eine eigenständig produzierte 43-minütige Doku unter dem Titel "Verschwunden: Eltern suchen ihre Kinder". Die Doku thematisiert unter anderem am Beispiel des Vermisstenfalles der 15-Jährigen wie Außenstehende versuchen, den Angehörigen durch vermeintliches Insider-Wissen um den Aufenthalt ihrer vermissten Verwandten oder Freunde Hoffnung zu machen und diese Hoffnung aus Geltungsdrang oder Boshaftigkeit dann schamlos auszunutzen. Kurz nach der Ausstrahlung des Falles bei XY im Jahre 2011 meldete sich Patrick O., der angab, Tanja etwa 1999 in einer Drückerkolonne kennengelernt zu haben. In einer 74-seitigen Aussage beschreibt Patrick O. sein Leben in der Frankfurter Drückerkolonne und sein Zusammentreffen mit Tanja. Dabei wies sein 74-seitiges Schreiben teilweise Insider-Wissen auf, welches zuvor nicht medial aufbereitet worden war. Auf den letzten Seiten schildert Patrick O., wie er gefesselt hätte mit ansehen müssen, wie der Chef der Drückerkolonne auf Tanja schoss. Dennoch habe er Tanja nicht explizit tot auf dem Boden liegen sehen.

Patrick O. führte die Wuppertaler Kriminalpolizei zum angeblichen Tatort - einem Waldstück bei Königswinter. Doch Spürhunde schlugen nicht an und auch sonst gibt es keinerlei Beweise, dass Tanja ermordet worden sein könnte. Die Spur wurde schließlich nicht weiterverfolgt. Patrick O. tauchte ab. Vier Jahre später, im Jahr 2015, meldete sich Patrick O. wieder bei Elisabeth K. und gab an, dass Tanja die Schüsse damals überlebt und Kontakt zu ihm aufgenommen hätte. Mittlerweile hätten sie auch eine gemeinsame Tochter. Patrick O. verbüßte derweil eine Haftstrafe in der JVA Wolfenbüttel wegen Betrugs und schwerer Körperverletzung und gab bei einem Besuch der Angehörigen an, dass Tanja mittlerweile unter dem Namen "Melanie" mit ihrer gemeinsamen Tochter in Frankfurt am Main leben würde.

Die Angehörigen zeigten sich nach dem Gespräch aufgrund der detaillierten Beschreibungen von Patrick O. zunächst optimistisch, dennoch blieben geforderte Beweise für die Identität Tanjas nach Patricks Haftentlassung aus. Patrick O. kündigte zwar an, dass er mit Tanja Elisabeth K. in Wuppertal besuchen würde, sagte den Besuch jedoch kurzfristig wieder ab und brach anschließend auch den Kontakt zu Elisabeth K. erneut ab. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass jegliche Informationen rund um Tanja gelogen waren und sich der strafrechtlich verurteile Betrüger Patrick O. intensiv darauf vorbereitet hatte, Elisabeth K. monatelang reinzulegen.

Bis heute stellt das Verschwinden von Tanja ein großes Rätsel dar. Elisabeth K. glaubt nicht mehr daran, dass die Kripo ihre Tochter noch findet. Über die Jahre ist die Hoffnung, Tanja wiederzusehen, zwar immer kleiner geworden, dennoch hofft Tanjas Mutter noch immer, dass ihre Ungewissheit eines Tages ein Ende findet.

Vermisst: Max W.

Inhalt

  • Dienststelle: Kripo Gera
  • Kommissar im Studio: Hardy Bedarf
  • Tag des Verschwindens: Nacht vom 02. zum 03. März 2011
  • Details: 22-Jähriger Student Max W. seit Anfang März 2011 spurlos verschwunden; Kapitalverbrechen oder freiwilliges Verschwinden möglich; Max hat langes schwarz gefärbtes Haar; dunkel gekleidet; "Heavy Metal"-Musik; freundlicher, zuverlässiger, junger Mann; Abitur 2008; liest viel und beschäftigt sich mit klassischer Literatur, insbesondere mit Goethe; studiert seit 2010 Elektrotechnik in Gera; ist für sein Studium 2010 von Frankfurt nach Gera gezogen; duales Studium: Praktik in Hamburg, Theorie in Gera; sehr stressig; hat sich in Gera gut eingelebt; gehört zu den Besten in seinem Fach; absolviert am 01. März noch eine Prüfung; Kommilitone fährt ihn gegen 16:00 Uhr zur Straßenbahnhaltestelle "Lusan/Zeulsdorf" in Gera; letzte gesicherte Sichtung; steigt in die Straßenbahn; unklar, was dann geschieht; Eltern suchen nach tagelanger Funkstille die Wohnung von Max in Gera auf; Geldbeutel/Schlüsselbund liegen auf dem Schreibtisch; Vermisstenanzeige; anhand der Auswertung der Laptop-Daten lässt sich sagen, dass Max sich in der Nacht vom 02. auf den 03. März 2011 noch in der Wohnung aufgehalten hat; danach spurlos verschwunden; Wohnung verschlossen, obwohl beide Original-Schlüssel in der Wohnung liegen; alle Fenster verschlossen; Suchaktionen mittels Spürhunden; Plakataktionen; Aufrufe im Internet; viele Hinweise; acht Wochen später: Sichtung einer Rentnerin aus Rüsselsheim; Gespräch: junger Mann gibt an, sein Studium geschmissen zu haben; Suche nach dem Sinn des Lebens; vermeintliche Sichtung an völlig verschiedenen Orten; evtl. psychische Störung oder "Burn-Out";
  • Zitate: "Das Verschwinden von Max bedeutet für uns in einer Katastrophe zu leben. Es ist ein Albtraum."
  • Besonderheiten: Eltern von Max anwesend
  • Belohnung: keine Angaben
  • Bewertung: **
  • Status: geklärt

Nachspiel

Nach dem spurlosen Verschwinden des 22-jährigen Studenten standen von Anfang an zwei mögliche Szenarien im Raum: ein Kapitalverbrechen oder ein freiwilliges Verschwinden des Geraer Studenten.

Von Anfang an sprachen deutlich mehr Indizien für einen freiwilligen "Ausstieg" des Elektronikstudenten. Max W. befand sich mitten im Prüfungsstress, legte kurz vor seinem Verschwinden eine von drei wichtigen Prüfungen ab und absolvierte ein duales Studium. An dem besagten Wochenende wenige Tage nach seinem Verschwinden hätte er erneut nach Hamburg pendeln müssen, um dort den praktischen Teil seines dualen Studiums weiter verfolgen zu können. Dies alles gestaltete sich als sehr stressig. Darüber hinaus sprach auch die Art und Weise, wie der 22-Jährige seine Wohnung in Gera hinterlassen hat, für ein freiwilliges Verschwinden. Checkkarte, Bahncard, beide Wohnungsschlüssel, Studentenausweis und Krankenkassenkarte lagen wie drapiert auf dem Küchentisch der sehr aufgeräumt wirkenden Wohnung. Insbesondere bei Menschen, welche sich entschließen aus dem Leben zu scheiden, findet man oftmals eine aufgeräumte Wohnung vor, da dies ein tiefenpsychologisches Zeichen eines "Abschlusses" darstellt. Des Weiteren ließen sich keinerlei Spuren eines Kampfes finden. Auch Wertgegenstände blieben unberührt.

Für das Szenario des Kapitalverbrechens sprach die Tatsache, dass die Eltern von Max angaben, dass die Wohnungstür von Max Wohnung abgeschlossen gewesen sein soll. Dabei lagen seine beiden Wohnungsschlüssel auf dem Küchentisch. Alle Fenster waren verschlossen. Bei dem Einzug in die Wohnung übergab die Hausverwaltung drei Wohnungsschlüssel - zwei an Max und einen an seine Eltern. Die Tür hätte Max beim Verlassen seiner Wohnung also nicht abschließen können, wenn seine beiden Schlüssel auf dem Küchentisch lagen. Die Wohnanlage ist außerdem mit Sicherheitsschlössern ausgestattet, d. h. dass ein Anfertigen von Schlüsseln nur durch die Hausverwaltung möglich ist.

Abgesehen von der Ungereimtheit mit der abgeschlossenen Wohnungstür des 22-jährigen Studenten fanden sich im Laufe der Suche weitere Indizien, die für ein freiwilliges Verschwinden und einen "Ausstieg" aus dem Alltag sprachen. So wollen zahlreiche Zeugen Max W. in Wäldern gesehen haben. Dabei sei ein junger Erwachsener mit einem Fahrrad samt Anhänger unterwegs gewesen und habe angegeben, dass er ein 22-jähriger Student sei und sein Studium geschmissen habe, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Die Sichtungen konzentrierten sich vorwiegend auf Schlangenbad (Hessen), Rüsselsheim (Hessen) und Weiden in der Oberpfalz (Bayern) nahe der tschechischen Grenze. Darüber hinaus ergab sich insbesondere an der Staatsgrenze zu Tschechien eine weitere vielversprechende Spur: In Neustadt am Kulm (Bayern) will ein Zeuge Max W. Mitte 2011 in einer Gastwirtschaft gesehen haben. Der Unbekannte gab an, seit März unterwegs zu sein und kein Interesse daran zu haben, wieder heimzukehren.

Am 23. Mai 2014 wurde schließlich eine skelettierte Leiche nahe der Staatsgrenze in der Region Děčín-Maxičky in Tschechien, etwa 15 Kilometer südlich von Bad Schandau, aufgefunden. Die rechtsmedizinischen Gutachten ergaben dabei zunächst, dass es sich um den skelettierten Leichnam eines jungen Erwachsenen handelt. Die Liegezeit des Leichnams konnte auf mindestens eins bis maximal fünf Jahre eingegrenzt werden. Mitte September 2014 konnte durch molekulargenetische Vergleichsuntersuchungen ermittelt werden, dass es sich bei dem skelettierten Leichnam um den zu diesem Zeitpunkt seit 3,5 Jahren vermissten Studenten Max W. handelt.

Laut den tschechischen Behörden gibt es keinerlei Hinweise oder Anhaltspunkte, welche auf ein Verbrechen schließen lassen würden und auch die Ergebnisse der Spurensicherung am Fundort des Leichnams weisen auf einen Suizid hin. Auch wenn sich der genaue Todeszeitpunkt nicht engmaschiger eingrenzen ließ, muss davon ausgegangen werden, dass Max W. schon wenige Monate nach seinem Verschwinden in der Grenzregion den Freitod wählte. Die damalige Vermutung von Freunden und der Familie von Max W., die eine persönliche Krise oder ein "Burn-Out" hinter dem urplötzlichen Verschwinden des Studenten vermuteten, hat sich so bewahrheitet. Die Ungereimtheit mit der abgeschlossenen Wohnungstür lässt sich insofern erklären, als dass davon auszugehen ist, dass sich die Eltern vermutlich geirrt haben und Max Wohnungstür nicht abgeschlossen war, als sie voller Sorgen seine Wohnung aufgesucht hatten.

Aus Sicht der Kriminalpolizei ist davon auszugehen, dass der damals 22-Jährige mit dem Prüfungsstress nicht klargekommen ist und schließlich aufgrund des damit verbundenen Drucks und seiner Versagensängste aus seinem Alltag "ausgestiegen" ist. Max W. muss sich in einer tiefen Depression befunden haben, weswegen er keine rationalen Entscheidungen mehr treffen konnte und daher auch jegliche Kontaktaufnahme zu seinen Freunden oder seiner Familie unterlassen hat. Auch die Sichtungen des 22-Jährigen in Weiden nahe der tschechischen Grenze lassen sich somit mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als wahrheitsgetreu verifizieren. Der 22-Jährige dürfte sich noch einige Wochen in den Wäldern nahe der Staatsgrenze aufgehalten haben, ehe er seinem Leben in der Region Děčín-Maxičky in Tschechien ein Ende gesetzt hat.

Vermisst: Hilal E.

Inhalt

  • Dienststelle: LKA Hamburg
  • Kommissar im Studio: Karl-Wilhelm Schlobohm
  • Tag des Verschwindens: 27. Januar 1999, gegen 13:20 Uhr
  • Ort des Verschwindens: Elbgau-Einkaufszentrum, Hamburg-Lurup
  • Details: 10-jährige Hilal E.; selbstständig, hilfsbereit und beliebt; 27. Januar 1999: Hilals Vater holt die 10-Jährige von der Schule ab; Halbjahreszeugnis; stolz auf Hilals schulische Leistungen; erhält zur Belohnung 1 Mark; plant im gegenüberliegenden Einkaufszentrum Süßigkeiten zu kaufen; begibt sich gegen 13:15 Uhr mit ihrer 9-jährigen Schwester ins Erdgeschoss; 9-Jährige wirft Brief in Briefkasten, begleitet Hilal aber nicht ins Einkaufzentrum; Verabschiedung gilt als letztes sicheres Lebenszeichen; Hilal hätte für 1 Mark ein Päckchen ihrer Lieblingskaugummis erhalten; um 13:22 Uhr kam es zu einem solchen Einkauf; gesicherter Kassenbon der Kasse; Kassiererin kann sich jedoch nicht an Hilal erinnern; ein befreundeter Gemüsehändler glaubt Hilal noch auf dem Durchgang zum Parkplatz gesehen zu haben; 50 Meter von der eigenen Haustür entfernt; gegen 13:36 Uhr bemerken zwei Busfahrer wie ein stämmiger Mann mit rötlichen Haaren ein schwarzhaariges Mädchen zu einem Auto zerrt; spurlos verschwunden; Vermisstenanzeige; erste polizeiliche Suchaktion startet gegen 18:00 Uhr; Hundertschaften durchkämmen umliegende Gartenanlagen und Waldgebiete; Mutter findet ca. 24 Stunden nach dem spurlosen Verschwinden von Hilal deren letzte Spur - ihr Haargummi vor dem Einkaufszentrum; mysteriöser Hinweis: Anrufer mit Insiderwissen will sich mit der Familie treffen; erscheint nicht am vereinbarten Treffpunkt; Vermisstenfall wird 2005 neu aufgerollt; zwei wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Männer geraten ins Visier der Fahnder; ein wegen Sexualstraftaten an Kindern verurteilter Straftäter gesteht den Mord an Hilal; schildert die Tat sehr genau; Ablageort bestätigt sich nicht; zweifaches Geständnis, zweimalige Widerrufung; keine Beweise für seine Täterschaft;
  • Zitate: "Der Schmerz wird nicht weniger. Wenn ich sterbe, hört er erst auf. Bis dahin kann ich Hilal nicht vergessen."
  • Besonderheiten: Studiofall der Sendung vom 26.03.1999; Mutter, Schwester und Bruder von Hilal sowie Polizeipsychologin Claudia Brockmann anwesend
  • Belohnung: 5.000€
  • Bewertung: ***
  • Status: ungeklärt

Nachspiel

Im rund zehnminütigen XY-Beitrag wird deutlich, wie sehr die ganze Familie Hilals über Jahrzehnte hinweg unter der quälenden Ungewissheit zu leiden hat. Die Familie zog in einen anderen Hamburger Stadtteil, die Mutter machte unzählige Therapien, doch nichts scheint den Schmerz über den Verlust der 10-Jährigen lindern zu können. Erinnerungsstücke und Fotos von Hilal sind in Koffern verwahrt, da der damit einhergehende Schmerz für die Angehörigen tagtäglich zu groß wäre.

Kurz nach der XY-Sendung folgt jedoch die Ernüchterung: Das LKA erreichen kaum Hinweise. Die wenigen Hinweise, die das LKA Hamburg erhält, erweisen sich als kaum zielführend und ermöglichen den Kriminalbeamten keinerlei neue Ermittlungsansätze. Die Ermittlungen werden zwar auch nach der erfolglosen medialen Aufbereitung bei 'Aktenzeichen XY' weitergeführt, verlaufen jedoch letztlich im Sande. Nach monatelangen Ermittlungen ohne neue konkrete Hinweise und erfolgversprechenden Ermittlungsansätzen werden die Ermittlungen schließlich im Jahr 2012 vorläufig eingeschränkt. Lediglich ein einzelner Kripobeamter bearbeitet den Fall, da aktuelle Kapitalverbrechen stets eine höhere Priorität darstellen.

Im Januar 2018 wird der Vermisstenfall Hilal E. schließlich neu aufgerollt. Am 27. Januar 2018, also genau 19 Jahre nach dem spurlosen Verschwinden der 10-Jährigen, wird auf Antrag der Ermittlungsgruppe "Cold Cases Unit" im Einkaufszentrum 'Elbgaupassage' eine dauerhafte Fahndungserinnerung mit den wichtigsten Eckdaten des Vermisstenfalles und einem Foto der damals zehnjährigen Hilal aufgehängt. Als Reaktion auf diesen erneuten Zeugenaufruf gehen beim LKA Hamburg mehr als ein dutzend neue Hinweise ein. Die Hinweise gestalten sich jedoch vorwiegend allgemeiner Natur oder verweisen auf mögliche neue Ermittlungsansätze, welche bereits ausermittelt und abgehakt sind. Eine heiße Spur befindet sich zunächst nicht unter den Hinweisen.

Anfang September 2018 meldet sich jedoch ein Zeuge bei der EG "Cold Cases" und gibt an, vor etwa 19 Jahren zum Zeitraum von Hilals Verschwinden etwas Verdächtiges im Altonaer Volkspark beobachtet zu haben. Demnach habe er damals frische Grabungsspuren entdecken können, dieser Beobachtung habe er jedoch lange keine Bedeutung beigemessen. Der 200 Hektar große Altonaer Volkspark in Hamburg-Bahrenfeld, dem größten öffentlichen Park Hamburgs, liegt nicht unweit von Hilals Wohnung und ihrem Ort des Verschwindens in Hamburg-Lurup. Zudem geriet dieser Park schon im Jahre 2005 in den Fokus der Ermittler, als Dirk A. den Mord an Hilal gestand und den Altonaer Volkspark als Ablageort der Leiche genannt hatte, ehe er dieses Geständnis kurze Zeit später widerrief. Die damalige Suche musste schließlich erfolglos eingestellt werden. Eine Reihe von Indizien, wie etwa seine flüchtige Bekanntschaft mit Hilal, sein gestörter Sexualtrieb, sein 'Modus Operandi' und sein fehlendes Alibi, sprechen zwar weiterhin für seine Täterschaft, doch trotz intensiver Ermittlungen des LKA ist ihm die Tat bisher nicht nachweisbar.

Am 10. September 2018 startet schließlich eine groß angelegte Suchaktion. Mehr als 50 Bereitschaftspolizisten, Kriminaltechniker und Beamte der EG "Cold Cases" sind in den Einsatz involviert. In einem abgesperrten Gebiet entfernen Bereitschaftspolizisten das Untergehölz und fegen den Waldboden frei. Das abgesperrte Gebiet, welches in etwa die Größe eines Fußballfeldes einnimmt, wird schließlich in zwei 50 mal 50 Meter große Areale abgetrennt. Mehrmals schlägt ein Leichenspürhund an, doch die Beamten finden im Waldboden nur weggeworfene Plastiktüten und Kleidungsstücke, die sich nicht Hilal E. zuordnen lassen. Die Einsatzleitung entscheidet daraufhin, den gesamten Bereich nochmals detailliert abzusuchen. Die Suche dauert bis zu den frühen Morgenstunden des 11. September an, ehe sie erfolglos eingestellt wird. Wie schon im Jahr 2005 konnte die Leiche von Hilal im Volkspark nicht geborgen werden. Die Spur gilt als kalt, eine erneute Suche im Altonaer Volkspark ist nicht geplant.

Zum 20. Jahrestag des Verschwindens von Hilal, dem 27. Januar 2019, startet die EG "Cold Cases Unit" einen erneuten Zeugenaufruf. Möglicherweise habe sich der Täter inzwischen nach den neu eingeleiteten Ermittlungen jemandem anvertraut. Neben dem erneuten Zeugenaufruf wird auch erstmals ein Phantombild des mutmaßlichen Entführers veröffentlicht. Das Phantomfoto zeigt einen blonden, stämmigen Mann. So soll der mutmaßliche Entführer von Hilal vor 20 Jahren ausgesehen haben. Er soll 1999 zwischen 40 und 50 Jahren alt gewesen sein. Zwei Busfahrer wollen diesen Mann am Tag des Verschwindens von Hilal auf dem Parkplatz am Einkaufszentrum beobachtet haben, als er ein kleines schwarzhaariges Mädchen am Arm wegzerrte. Die Ermittler glauben, dass es sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um Hilal gehandelt haben muss.

Bis heute ist das Schicksal und die näheren Umstände des Verschwindens von Hilal ungeklärt. Seit dem 27. Januar 1999 gibt es kein Lebenszeichen der 10-Jährigen mehr. Immer wieder unternahm das LKA Hamburg den Versuch, das Schicksal Hilals zu klären. Mehrere Sonderkommissionen ermittelten jahrelang intensiv in alle Richtungen, mehr als 650 Hinweise wurden im Laufe der Jahrzehnte akribisch überprüft und ausgewertet. Der Fall füllt mehr als 100 Aktenordner. Doch keiner der Hinweise konnte das Rätsel um das spurlose Verschwinden Hilals lösen.

Für ausführlichere Informationen: Vermisstenfall Hilal E.

XY-Prävention

Inhalt

  • Dienststelle: Deutscher Kinderschutzbund Nürnberg
  • Beamte im Studio: Barbara Ameling
  • Tattag: nicht vorhanden
  • Details: Kinder müssen gewappnet sein und wissen, wie sie sich in kritischen Situationen verhalten sollen; Kinder werden für den Ernstfall trainiert; damit sich ein Kind zur Wehr setzen kann, muss es stark wirken; in verschiedenen Übungen lernen die Kinder, ein schwaches 'Nein' von einem glaubhaften 'Nein' zu unterscheiden; vor allem im Bereich der sexualisierten Gewalt suchen sich Täter oftmals Kinder aus, die ein geringes Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl haben; in einer kritischen Situation muss sich ein Kind in sekundenschnelle entscheiden; weit mehr als jedes 8. Kind unter 10 Jahren hat schon schlechte Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt machen müssen; rund 80% der tätlichen bzw. sexualisierten Übergriffe auf Kinder geschehen im familiären Rahmen oder durch eine Vertrauensperson;
  • Zitate: "'Nein sagen' müssen Kinder erst lernen." […] "Die totale Sicherheit gibt es leider nicht."
  • Bewertung: *

Nachspiel

Vermisst: Daniel E.

Inhalt

  • Dienststelle: Kripo Ulm
  • Kommissar im Studio: Herbert Kling
  • Tag des Verschwindens: 25. Oktober 2004, gegen 17:40 Uhr
  • Details: 15-jähriger Daniel E. seit 7 Jahren vermisst; Wunschkind; wächst in Ulm auf; sieben Jahre älterer Bruder; als Daniel 13 Jahre alt ist, trennen sich die Eltern; pendelt zwischen Mutter und Vater; 15-Jähriger machte sich viele Gedanken bzgl. seiner beruflichen Zukunft; distanziert sich von den Eltern; 24. Oktober 2004: Daniel verheimlicht seiner Mutter etwas an seinem Computer; private Angelegenheit; 25. Oktober 2004, gegen 16:00 Uhr: Schulschluss; 10. Klasse der Realschule in Ulm; introvertiert und meistens allein; wenig Freunde; fährt mit dem Bus zum Ulmer Hauptbahnhof; will vermutlich zu seinem Vater ins nahegelegene Thalfingen fahren; ehemaliger Basketballtrainer sieht Daniel gegen 17:30 Uhr auf dem Bahnsteig; Fahrscheinkontrolleur nimmt Daniels Personalien auf; unklar, wann Daniel aussteigt; kommt bei seinem Vater nicht an; Vermisstenanzeige gegen 22:00 Uhr; nach vier Tagen: groß angelegte Suchaktionen; Öffentlichkeitsfahndung; Akte bleibt ungewöhnlich dünn; kaum Hinweise; Daniels Schulspind enthält: Schulsachen, Handy, Geldbeutel, Ausweisdokumente und sogar Brille; stark kurzsichtig; einzig der schwarze Rucksack fehlt; jahrelang mysteriöse Anrufe; Mutter vermutet Daniel am Hörer; Anrufer still; Zeitungsdrücker im Raum Frankfurt; Spur zerschlägt sich; Mutter forscht selbst weiter; stößt auf französische Fremdenlegion; Straßburg Herbst 2004: Hoteleintrag eines "E."; Offizier erkennt Daniel auf dem Passfoto wieder; fehlgeschlagenes Einstellungsgespräch; war dies wirklich Daniel?; spurlos verschwunden;
  • Zitate: "Ich habe das Recht zu hoffen, das darf mir niemand anderes nehmen, solange es keinen anderen Beweis gibt."
  • Besonderheiten: Studiofall der Sendung vom 25.11.2004; Mutter sowie ehemaliger Klassenlehrer von Daniel anwesend
  • Belohnung: keine Angaben
  • Bewertung: **
  • Status: ungeklärt

Nachspiel

Von dem 15-jährigen Daniel E. fehlt auch nach mehr als 14 Jahren jede Spur. Bis heute gibt es kein gesichertes Lebenszeichen des verschlossenen Schülers, der am 25. Oktober 2004 plötzlich aus seinem gewohnten Lebensumfeld verschwunden ist. Am Tag seines Verschwindens steigt der 15-Jährige nach Schulschluss in den Bus und fährt zum Ulmer Hauptbahnhof. Vermutlich hat Daniel an diesem Nachmittag vor, seinen in Thalfingen, einem Ortsteil von Elchingen bei Neu-Ulm, wohnhaften Vater vor dessen geplantem Urlaub zu verabschieden. Seit der Scheidung seiner Eltern im Jahr 2002 pendelt er regelmäßig zwischen der Wohnung seines Vaters und der Wohnung seiner Mutter hin und her. Auf dem Bahnsteig des Ulmer Hauptbahnhofs wird Daniel E. noch von seinem ehemaligen Basketballtrainer gesehen. Um 17:29 Uhr startet der Regionalzug am Ulmer Hauptbahnhof in Richtung Heidenheim. Während der Fahrt mit dem Regionalzug nimmt ein Fahrscheinkontrolleur Daniels Personalien auf, weil dieser seine Monatskarte vergessen hat. Dies ist das letzte gesicherte Lebenszeichen des 15-Jährigen.

Wann Daniel E. schließlich aussteigt, bleibt unklar. Irgendwann während der Fahrt verliert sein ehemaliger Basketballtrainer ihn aus den Augen. Angeblich steigt Daniel in Thalfingen aus, um dem damaligen Lokführer zufolge gleich wieder einzusteigen und nach Ulm zurückzufahren. Dort glaubt ihn gegen 18:40 Uhr ein anderer Zugführer gesehen zu haben. Dann verliert sich seine Spur endgültig. Weder bei seiner Mutter Karola E. noch bei seinem Vater kommt Daniel je an. Karola E. erstattet noch am selben Tag gegen 22:00 Uhr eine Vermisstenanzeige. Zunächst schließt die Polizei ein Verbrechen aus und vermutet das Daniel E. wie über 90% der vermisst gemeldeten Jugendlichen nach kurzer Zeit wieder auftauchen wird. Nach vier Tagen übernimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen und startet umfangreiche Suchaktionen, so wird unter anderem die Bahnstrecke und Wälder zwischen Ulm und Thalfingen Meter für Meter abgesucht. Daniels Familie unterstützt die Öffentlichkeitsfahndung der Polizei mit allen Mitteln: Von Flyern und einer speziellen Such-Website für Daniel bis zu eigenständig beauftragten Privatermittlern. Doch keine der Aktionen und Hinweise führt zu Daniel.

Die Akte des Falles bleibt von Anfang an recht dünn. Anders als bei sonstigen medial aufgegriffenen Vermisstenfällen will kaum jemand Daniel irgendwo gesehen haben. Das Hinweisaufkommen bleibt niedrig. Nach monatelangen erfolglosen Ermittlungen und einer intensiven Öffentlichkeitsfahndung, wie unter anderem der Fahndung in Aktenzeichen XY in der Sendung vom 25.11.2004, werden die Bemühungen, Daniels Schicksal zu klären, reduziert und schließlich eingestellt. Es gibt für die Kripo keinerlei Ermittlungsansätze mehr. Im Jahre 2011 unternimmt die Kripo mit dem Aufruf in der XY-Sondersendung "Wo ist mein Kind?" einen weiteren Anlauf, neue Hinweise zu generieren und den Fall zu klären, der jedoch erneut erfolglos scheitert. Daniel bleibt unauffindbar und die Ermittlungen müssen abermals eingestellt werden. Zudem ist bis heute weiterhin unklar, ob Daniel Opfer eines Kapitalverbrechens wurde oder Selbstmord begangen hat.

Daniels Vater und sein älterer Bruder vermuten, dass sich der 15-Jährige das Leben genommen hat. Kurz vor seinem Verschwinden wirkte Daniel verschlossener und ruhiger. Er habe in einer schwierigen Phase gesteckt, erinnert sich seine Mutter Karola E. Einmal habe er gesagt: "Mit 16 Jahren bin ich nicht mehr da." Der 15-Jährige litt sehr unter der Trennung seiner Eltern. Ebenso plagten den Schüler Zukunftsängste. Sein jahrelanger Traumberuf des Polizisten scheiterte an seiner starken Kurzsichtigkeit. Dies gestaltete sich als besonders niederschmetternd für den 15-Jährigen. Darüber hinaus wurde Daniel auf seiner neuen Schule Opfer von Mobbing und Ausgrenzung. Auch die Tatsache, dass sich in Daniels Schulspind alle seine Habseligkeiten, sein Handy, sein Geldbeutel, seine Ausweisdokumente und sogar die Brille des stark kurzsichtigen Jungen befand, spricht für einen geplanten Suizid. Lediglich seinen schwarzen "Eastpak"-Rucksack nahm Daniel mit.

Daniels Mutter Karola glaubt jedoch weiterhin daran, dass ihr Sohn noch lebt. Dieses Gefühl bestärken unter anderem zahlreiche anonyme Anrufe, die die Mutter seit Jahren erreichen. Es redet zwar niemand am anderen Ende – auch, wenn die Verbindung teilweise eine halbe Stunde bestehen bleibt – im Hintergrund ist aber den Angaben von Karola E. nach eine Art Militärsirene zu hören. "Ich war mir in meiner Seele sicher: Das war Daniel.", so Karola E. In den letzten Jahren schrieb sie mehr als 100 Briefe an ihren Sohn und hofft inständig, diese Briefe eines Tages Daniel geben zu können.

Karola E. weiß, dass Daniel stets Interesse an einer militärischen Laufbahn gezeigt hat. Bei ihrer Recherche stößt sie schließlich auf ein Internetforum, in dem sich junge Männer gegenseitig Tipps geben, wie man sich über die Fremdenlegion absetzen kann. Ein Rat lautet, sich in Straßburg zu melden, weil dort auch Deutsch gesprochen wird. Karola E. fährt Anfang 2005 hin und trifft einen Taxifahrer, der erzählt, er habe im Oktober 2004 zwei junge Männer gefahren, die der Legion beitreten wollten. Er erinnert sich daran, dass sie für eine Nacht in ein Hotel mussten. Dort hat sich tatsächlich einer der Beiden mit dem Namen "E." registrieren lassen. Ein Pass ist nicht hinterlegt worden, auch die Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere.

Karola E. wendet sich Anfang 2005 unmittelbar vor Ort direkt an die Fremdenlegion. Ein junger Legionär sagt ihr, dass sein Vorgesetzter Daniel wiedererkannt habe. Dieser habe den Aufnahmetest zwar bestanden, aber der Legion nicht beitreten können, da seine Altersangaben von der internationalen Polizeiorganisation Interpol nicht bestätigt wurden – er war noch keine 18 und hatte keinen Ausweis bei sich. Über einen Mitschüler von Daniel erfährt Karola E., dass der 15-Jährige versucht hatte, sich heimlich einen gefälschten Ausweis anfertigen zu lassen. Ob dies Daniel gelungen ist, bleibt unklar. Danach verlieren sich auch hier die Hinweise. Handelte es sich bei dem jungen Mann in der Fremdenlegion um Daniel? Und falls doch, ist er dann über Umwege doch zur Fremdenlegion gelangt? Ob Daniels Schicksal jemals geklärt wird, weiß niemand.

Die Studiofälle der Sendung

  • SF 1: Polizei Auerbach - Vermisst: Hans-Georg O.: 6-jähriger Hans-Georg O. seit dem 01. August 2011 vermisst; Eltern seit 2008 getrennt; Elternvereinbarung; mit jedem Elternteil drei Wochen Urlaub; zunächst drei Wochen im Juli bei seiner Mutter; 35-jährige Juliane R. telefonisch nicht erreichbar; Kind-Übergabe am 01. August scheitert; Wohnung bereits aufgegeben; Verschwinden geplant; Vermisstenanzeige; Öffentlichkeitsfahndung ergebnislos; europäischer Haftbefehl; 14-jähriger Sohn von Juliane R. und Halbbruder von Hans-Georg wohl Begleiter; schwarzer Fiat Panda; "V JR 188"; Verbindungen nach Frankreich, der Niederlande und England;

Geklärt: In der Sendung vom 28.11.2012 wird berichtet, dass die 35-jährige Mutter Juliane R. sowie Hans-Georg O. und sein 14-jähriger Halbbruder nach einer internationalen Fahndung Mitte November in Paris aufgespürt werden konnten. Nach der Festnahme von Juliane R. musste der 6-jährige Hans-Georg O. noch einige Wochen in einem französischen Kinderheim verbringen, bis die Formalien geklärt waren und der 6-Jährige nach Deutschland überstellt werden konnte.

Seit Anfang des Jahres 2012 befindet er sich wieder in der Obhut seines Vaters. Der Mutter wurde derweil das Sorgerecht entzogen. Inwiefern es zu einer Anklage und somit zu einem Schuldspruch für die erfolgte Kindesentziehung gekommen ist, bleibt unklar, da es keinerlei Medienberichte zu diesem Verfahren gibt.


  • SF 2: Vermisst: Ylenia C.: 23-jährige Ylenia C.; Tochter des italienischen Pop- und Schlager-Duos Romina Power und Albano "Al Bano" Carrisi; Schlager-Duo wurde mit Hits wie "Felicità" weltberühmt; Liebespaar; auf dem Höhepunkt ihrer Karriere fahren sie 1994 gemeinsam mit ihren Kindern quer durch Amerika; Katastrophe im Bundesstaat Louisiana; ihre älteste Tochter Ylenia verschwindet am 06. Januar 1994 auf mysteriöse Weise in New Orleans; beispiellose Suchaktion; Drogen- und Suizidgerüchte; Romina Power zieht sich 1995 aus der Öffentlichkeit zurück; auch die Ehe der beiden zerbricht 1999 an diesem Schicksalsschlag;

Update: Ylenia C. wurde am 01. Dezember 2014 auf Veranlassung ihres Vaters Albano Carrisi von einem italienischen Gericht in Brindisi für tot erklärt. Ylenias Mutter, Romina Power, hofft weiterhin inständig, dass ihre Tochter noch lebt und sich eines Tages bei ihrer Familie meldet.

Im November 2015 kam nach 21 Jahren erneut Bewegung in den Vermisstenfall. In Palm Beach, Florida, wurden 1994 die Überreste einer Frauenleiche am Straßenrand gefunden, die jedoch nie identifiziert werden konnten. Nach langwierigen und intensiven Ermittlungen in den 1990er Jahren konnten die amerikanischen Behörden den Mordfall 1995 aufklären und dem Serienmörder Keith Hunter J. zuordnen. Der ehemalige Lastwagenfahrer trägt den Spitznamen "Happy Face Killer", weil er seine Briefe, mit denen er mit seinen Morden prahlte und Fahnder und Medien jahrelang neckte, jeweils mit einem Smiley versah.

J. wurde 1995 festgenommen und wegen achtfachen Mordes zu viermal lebenslänglicher Haft verurteilt. Er gestand unter anderem auch den Mord an einer Autostopperin, die er an einer Tankstelle in Tampa mitnahm und die offenbar nach Kalifornien oder nach Nevada wollte. "Suzanne" habe sie geheißen und einen Rucksack getragen. Über all die Jahre konnte jedoch die Identität der unbekannten Toten nicht ermittelt werden. Mitte 2015 rollten Ermittler den Fall der unbekannten Frauenleiche erneut auf und konnten dank neuester rechtsmedizinischer Untersuchungsmethoden das Gesicht der Toten in einem aufwendigen Verfahren rekonstruieren.

Nun galt es die unbekannte Tote zu identifizieren. Die Gesichtsrekonstruktion wies dabei markante Ähnlichkeiten mit der bis dato seit 21 Jahren vermissten Ylenia C. auf. Ylenia hatte sich darüber hinaus auch selbst in der Zeit vor ihrem Verschwinden mehrfach als "Suzanne" oder "Suzy" vorgestellt und präferierte diesen Namen. Im November 2015 baten die amerikanischen Fahnder Al Bano und Romina Power sowie ihre drei weiteren gemeinsamen Kinder, Speichelproben für einen DNA-Abgleich abzugeben. Im Dezember 2015 kam jedoch durch das Ergebnis des DNA-Abgleichs heraus, dass es sich bei der unbekannten getöteten Frau nicht um die seit mehr als zwei Jahrzehnten vermisste Ylenia C. handelt.

Bis heute bleibt das Verschwinden der 23-Jährigen mysteriös und ungeklärt. Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Gerüchte um Ylenias Verschwinden. Ihr Vater Albano Carrisi vermutet, dass sie im Drogenrausch Suizid begangen hat. Ein Wachmann hat am Tag von Ylenias Verschwinden eine Frau wahrgenommen, die sich mit dem Ausruf "Ich gehöre ins Wasser" in den Mississippi gestürzt hatte. Der Leichnam der Frau konnte nie geborgen werden. Ylenias Vater zufolge geschah bereits ein Jahr zuvor ein solcher Vorfall: Ylenia sei unter Drogeneinfluss in den Mississippi gegangen und habe ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Damals habe sie sich aber noch rechtzeitig ans Ufer retten können.

Auf ihrer Reise nach New Orleans lernte Ylenia einen charismatischen Straßenmusiker kennen. Der 54-jährige Trompeter weiht sie in eine ganz andere Welt ein – in die der Straße, wo es keine Sicherheiten gibt, dafür viel Freiraum. Ylenia, gerade erst 23 geworden, möchte diesen Freiraum erkunden und anschließend ein Buch darüber schreiben. Manche vermuten, dass dieser Trompetenspieler, bei dem später auch Ylenias Reisepass gefunden wird, mit ihrem spurlosen Verschwinden zusammenhängt. Es gab auch Vermutungen, Ylenia könnte verschleppt, vielleicht sexuell versklavt worden sein oder sich bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben. Die 23-Jährige distanzierte sich in der Zeit vor ihrem Verschwinden von der Medienwelt und der Öffentlichkeit. Ihre Mutter Romina Power glaubt anders als Ylenias Vater Albano weiterhin daran, dass ihre Tochter noch lebt und sich eines Tages bei der Familie melden werde. Dieser sehnliche Wunsch dauert nun schon mehr als 25 Jahre an. 25 Jahre voller Ungewissheit.

Erste Ergebnisse

Glühende Drähte im XY-Studio

Große Resonanz auf Spezialsendung mit Vermisstenfällen


Sechs vermisste Kinder und junge Menschen waren diesmal Thema der Spezialsendung. Ihre Eltern hatten sich verzweifelt an die XY-Redaktion gewandt in der Hoffnung, endlich Nachricht von ihren Kinder zu bekommen. Darunter auch ein prominenter Gast: Schauspielerin und Sängerin Romina P. - extra aus Los Angeles angereist.

Sie vermisst seit 1994 ihre damals 23-jährige Tochter Ylenia. Die Anteilnahme der XY-Zuschauer war groß. Viele wollten helfen und manche konnten sogar Hinweise zu Ylenia geben. Das Bundeskriminalamt wird diesen Spuren nachgehen.


Ganz konkret war ein Hinweis zum vermissten sechsjährigen Hans-Georg O. Das Kind ist mit seiner Mutter unterwegs - zumindest zeitweise wohl mit einem schwarzen Fiat Panda. Ein Zuschauer erkannte prompt den gesuchten Wagen und meldete sich noch während der Sendung im Studio. Und tatsächlich: Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um das Auto der gesuchten Juliane R. Jetzt hat die Polizei endlich einen konkreten Anhaltspunkt, an dem sie ansetzen kann.


Auch in einem weiteren aktuellen Fall meldeten sich viele Zuschauer. Gesucht wurde der heute 23-jährige Max W. aus Gera, der seit Anfang März vermisst wird. Bisherige Ermittlungen der Polizei legen nahe, dass der Student ausgestiegen ist und eventuell im Wald lebt. Diese Vermutung bestätigten jetzt auch XY-Zuschauer, die Max W. ebenfalls in oder an Waldgebieten gesehen haben wollen. Die Polizei Gera wird Einiges zu tun haben in nächster Zeit.


Was die Hinweise und Reaktionen der Zuschauer betrifft, war auch die zweite Ausgabe von XY-Spezial ein voller Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens eines der gesuchten Kinder bald wieder nach Hause zurückkehrt.

(Quelle: ZDF)

Bemerkungen

  • Original-Videoaufnahmen der Vermissten in FF1, FF2 und FF4!
  • Panne: Nach FF1 wird nicht die Telefonnummer der Dienststelle eingeblendet!
  • Bei beiden Studiofällen sind Angehörige im Studio anwesend!
  • Weltstar Romina Power als Angehörige (SF2) im Studio!
  • 400 Hinweise kamen in der ersten Spezialsendung rein - insgesamt 100 im Fall Katrin K.!
  • Zum ersten Mal 2 XY-Sendungen innerhalb von 2 Wochen!
  • Ebenfalls zum ersten Mal wurde die Sendung ganze 15 Minuten überzogen!! Am Ende wurde es deswegen hektisch, Alfred Hettmer ging zu früh ins Bild und lief nochmal zurück an den Platz.


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