Die nächste Ausstrahlung von Aktenzeichen XY erfolgt am 24. April 2019 im ZDF! Unbedingt einschalten!

Sendung vom 28.01.1977Filmfall 3 Ausführliche Informationen

Aus Aktenzeichen XY ... ungelöst - Wiki
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Mord an Irma und Renate S. ("Akazienweg")

Arbeitstitel : "Akazienweg"

Inhalt

  • Dienststelle: Kripo Offenburg
  • Beamter im Studio: Hauptkommissar Schuster
  • Tattag: 28. Juni 1976 einer der heißesten Sommernächte
  • Tatort: Offenburg, Akazienweg 5
  • Details: Akazienweg 5; An einem warmen Sommertag sitzen mehrere Jugendliche, darunter auch die Tochter des Hauses, im Garten und vergnügen sich mit Musik und Wasserspielen mit dem Gartenschlauch. Am frühen Abend stoßen auch kurz die Mutter und der Bruder des Mädchens (von allen nur Wutz genannt) zu den Jugendlichen. Die Mutter, ermüdet von einem langen Einkaufstag, zieht sich jedoch schnell ins Haus zurück. Ebenso schnell verschwunden ist Sohn Wutz, der sich noch mit ein paar Freunden im Kastanienhof, einer nahegelegenen Kneipe, treffen möchte. Nach und nach verlassen auch die Freunde der Tochter des Hauses die Gartenparty, bis am Abend nur noch 3 Personen übrig sind. Völlig überraschend steht auf einmal ein unbekannter, junger Mann mit langen Haaren im Garten und fragt nach Wutz. Zwar wundern sich die jungen Leute über den unheimlichen Besucher, geben Ihm aber trotzdem Auskunft. Er verschwindet so schnell, wie er gekommen ist. Auch die letzten beiden Freunde verlassen kurz danach den Garten, sehen den unheimlichen Besucher aber noch einmal auf dem Nachhauseweg. Später am Abend machen 2 Zeugen unabhängig voneinander ungewöhnliche Beobachtungen: Eine Nachbarin sieht, wie ein Mann mit langen Haaren eine junge Frau verfolgt und mit ihr kämpft, scheinbar im Spaß. Ein Fahrradfahrer stößt kurze Zeit später fast mit einem ihm entgegenlaufenden Mann mit langen Haaren zusammen. Scheinbar findet rund um das Haus am Akazienweg eine folgenschwere Verfolgungsjagd statt. In der Nacht kehrt Sohn Wutz von seinem Kneipenbesuch zurück und legt sich sofort zu Bett. Am nächsten Morgen wundert sich Wutz, das er nicht wie üblich seine Mutter und seine Schwester frühstückend in der Küche vorfindet. Im Schlafzimmer der Mutter macht er dann eine schreckliche Entdeckung: Mutter und Schwester liegen erstochen in den Betten. Verbogene Messer und Gabeln.
  • Zitate: "Wie ernst diese Auseinandersetzung ist, erkennt der Radfahrer jedoch nicht." / "Sicher ist nur, daß sich im Haus Akazienweg Nr. 5 ein Verbrechen von beispielloser Grausamkeit zugetragen hat." / "Und dann macht W.S. die schrecklichste Entdeckung seines Lebens." / "Das Gesamtbild, das die Polizei später daraus zusammenfügt, ergibt, daß in dieser Nacht ein dramatischer und verhängnisvoller Wettlauf rund um den Häuserblock am Akazienweg stattgefunden haben muß." / "Wollen Sie auch eine Dusche, Frau S.?" - "Nee, lieber nicht, gib's den Büschen, die haben's nötiger"
  • Musik: Brotherhood Of Man - "Save your kisses for me", Kincade - "Dreams Are Ten-A Penny (Jenny Jenny)", Dawn feat. Tony Orlando - "Tie a yellow ribbon round the old oak tree"
  • Schauspieler: Pierre Franckh, Franz Seidenschwan
  • Bewertung: ***
  • Belohnung: 10.000 DM
  • Status: geklärt

Nachspiel

Artikel aus dem Offenburger Tageblatt vom 28. April 2010:

Die 1283. Spur führte zum Täter

OT-Serie (1): Der Gifiz-Doppelmord / Ein herumstreunender Gelegenheitsarbeiter brachte Mutter und Tochter um

Mit dem Gifiz-Doppelmord aus dem Jahr 1976 beginnt die große OT-Serie über die spektakulärsten Kriminalfälle Offenburgs. 1283 Spuren musste die Polizei überprüfen, um den Täter zu überführen.

Von: Christian Wagner

Offenburg. »Brutaler Doppelmord im Schlafzimer: Mutter und Tochter grausam getötet«: So titelte das Offenburger Tageblatt am 30. Juni 1976. Am Tag zuvor hatte die Polizei die Bevölkerung mit Lautsprecherwagen über das furchtbare Verbrechen am Gifiz-See informiert: Ein Triebtäter hatte die 17-jährige Gymnasiastin Renate S. und ihre 46-jährige Mutter Irma S. am 28. Juni 1976 gegen 23 Uhr in ihrem Haus im Akazienweg 5 ermordet. Beide Leichen waren unbekleidet, mit Nylonstrümpfen gefesselt und bestialisch zugerichtet, die Obduktion sollte später 19 Stichverletzungen bei der Mutter und 38 bei der Tochter ergeben.

Nachbarn hatten gegen 23 Uhr gellende Hilfeschreie und »Mutter, Mutter lass mich rein!«-Rufe gehört. Aber nach einer kurzen Zeit sei wieder alles ruhig gewesen. »Da dachte ich mir, alles ist in Ordnung: Die Renate ist wieder bei ihrer Mutter«, sagte tags darauf eine fassungslose Anwohnerin gegenüber dem OT. Eine andere meinte tränenüberströmt: »Hätte ich doch bloß die Polizei gerufen!«

So viel stand nach den ersten Ermittlungen fest: Renate S., Gruppenleiterin der Katholischen Jugend, hatte einige Mitglieder ihrer Gruppe zu einer Besprechung zu sich gebeten. Eine halbe Stunde vor der Mordzeit gingen die jungen Leute nach Hause, die Mutter zog sich zum Schlafen zurück. Was ihre­ Tochter dann bewogen hat, das Haus noch einmal kurz zu verlassen, war für die Polizei zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Der jüngste Sohn fand am nächsten Morgen die grausam zugerichteten Leichen.

Die Spurenlage war recht dünn: Am Tatort fand die Polizei Blutspuren und zwei Knöpfe, vermutlich im Todeskampf vom Hemd des Täters abgerissen. Zahlreiche Zeugen wollten darüber hinaus einen jungen Mann gesehen haben, der in dieser schwülen Sommernacht durch die Uffhofener Gärten geschlichen ist. Später fand die Polizei noch das Tatmesser, dessen Klinge abgebrochen war.

Mit einer bis dahin beispiellosen Fahndungsoffensive versuchte die eiligst eingerichtete 30-köpfige Sonderkommission, den entscheidenden Hinweis auf den Mörder zu bekommen: Die Soko verteilte Handzettel und Flugblätter, hängte Fahndungsplakate auf und bat die Bevölkerung in Presse und Rundfunk immer wieder um Mithilfe. Die Belohnung wurde von anfangs 3000 auf 10 000 Mark hochgeschraubt. Aufgrund der Zeugenbeschreibungen ließ die Kripo ein Phantombild vom Täter erstellen. Einer Schaufensterpuppe wurden dabei Dutzende von Perücken aufgesetzt, um ein möglichst exaktes Bild zu bekommen. Das Ergebnis wurde auf dem ersten vierfarbigen Fahndungsplakat der deutschen Kriminalgeschichte veröffentlicht. Doch auch diese Aktion brachte nicht den ersehnten Hinweis auf den Mörder. Ebenso blieb am 28. Januar 1977 ein Aufruf in der TV-Sendung »Aktenzeichen XY…ungelöst« ohne Erfolg.

Gänzlich vergebens war die unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit der Soko allerdings nicht. Nach neunmonatiger Fahndung führte im April 1977 die 1258. Spur endlich zum Doppelmörder. Ein Ehepaar hatte den Täter – es handelte sich um einen 21-jährigen, mittlerweile im Raum Kehl lebenden Hilfsarbeiter aus Oberharmersbach – beim Trampen mitgenommen und ihn gleich auf seine Ähnlichkeit mit dem Phantombild angesprochen. Der Doppelmörder entwickelte in der Folge ein enges Verhältnis zu der religiös eingestellten Familie aus Legelshurst (Stadtteil von Willstätt). Nach dem gemeinsamen Besuch eines Gottesdienstes gestand er die Tat, die Familie informierte die Polizei, der Fall war geklärt.

Er habe am Tag der Tat schon während der Arbeit mehrere Flaschen Bier getrunken und in der Mittagspause bei einigen weiteren Bieren beschlossen, blau zu machen, sagte er in der Verhandlung vor dem Landgericht Offenburg aus. Er sei dann mit dem Fahrrad zum Gifiz-See gefahren, um dort Frauen beim Baden und Umkleiden zu beobachten und eventuell auch auszurauben. Dabei sei ihm die hübsche Renate S. aufgefallen. Als sie sich auf den Heimweg gemacht habe, sei er ihr gefolgt und habe sie ins Kino eingeladen. Doch die Gymnasiastin habe abgelehnt.

Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen, wie Staatsanwalt Erles ausführte: Nachdem er in der Stadt in einigen Lokalen weiter getrunken habe, sei er zurück in den Akazienweg gegangen und durch die angelehnte Tür ins Haus eingedrungen. Im Wohnzimmer sei er auf Mutter S. gestoßen. Er habe sie, mit der Absicht sie zu vergewaltigen, ins Schlafzimmer gedrängt, ihr das Nachthemd vom Leib gerissen, sie gefesselt und geknebelt. »In sexueller Erregung«, so der Staatsanwalt, habe er die sich heftig wehrende Frau erstochen.

Beim Verlassen des Schlafzimmers sei er auf die ahnungslose Renate S. getroffen. Er habe die Gymnasiastin gezwungen, mit ihm zum Gifiz-See zu gehen, wo er sie vergewaltigen wollte. Doch das junge Mädchen habe sich losreißen und nach Hause laufen können. Dort schrie sie um Hilfe (was die Nachbarn gehört hatten), doch der Täter holte sie wieder ein und brachte sie mit 38 Stichen – versetzt mit seinem Messer sowie Gabeln und einem Kartoffelschäler aus der Küche – zum Schweigen.

Der Täter, verteidigt vom Münchner Promi-Anwalt Rolf Bossi, wurde zu 15 Jahren Haft und anschließender Einweisung in eine geschlossene Anstalt verurteilt.