Die nächste Ausstrahlung von Aktenzeichen XY erfolgt am 24. April 2019 im ZDF! Unbedingt einschalten!

Sendung vom 08.06.1984Filmfall 1 Ausführliche Informationen

Aus Aktenzeichen XY ... ungelöst - Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mord an Karen O.

Inhalt

  • Dienststelle: Kripo Münster
  • Beamter im Studio: Hauptkomissar Schneider
  • Tattag: 13. Juli 1983
  • Belohnung: 10.000 DM
  • Details: Tierklinik; Kurt Grimm als Pferdenarr; VW Polo; Wäsche auf Hutablage; Abschieds-Fete im Garten; mysteriöser Anrufer; will in Klinik übernachten; kauft Frikadellen mit Kartoffelsalat, obwohl sie beides nicht mag; erwürgt und in Feld geschleift
  • Bewertung: ***
  • Status: geklärt
  • Songs: The Mamas & The Papas: "Monday, Monday"
  • Zitat: "Also, ich freue mich ganz irre, dass ich jetzt wieder einen fahrbaren Untersatz habe."


Nachspiel

Ausschnitt aus "Der Spiegel":

Der Spurenleser

Der Täter verkriecht sich im bürgerlichen Leben, sein Verfolger nutzt jeden technischen Fortschritt, um ihn zu finden: Fast 20 Jahre lang sucht ein Rechtsmediziner nach dem Mörder der Managertochter Karen O. - bis er ihn hinter Gitter bringt. Von Hauke Goos

(...) Der Prozess gegen Ulrich M. begann im Dezember 2002 vor dem Landgericht Münster. Es war das erste Mal, dass Bernd Brinkmann den Mann vor sich sah, nach dem er fast 20 Jahre lang gesucht hatte. Er habe Karen O. nicht getötet, hatte M. in einer der ersten Vernehmungen gesagt. In jener Nacht habe Karen ihm erzählt, dass sie wegziehen werde und dass dies ihr letztes Treffen sei. Dies, schrieb M.s Rechtsanwalt an die Staatsanwaltschaft, "führte bei meinem Mandanten zu einer erheblichen emotionalen Reaktion, infolge der er sich an Ort und Stelle erbrach". Dann hätten beide geweint. Karen O. habe versucht, ihn zu trösten, und dabei Nasenbluten bekommen. Danach hätten sie miteinander geschlafen. Er habe Erektionsstörungen gehabt, Karen O. habe begonnen, ihn mit einem schmerzhaften Griff zu massieren. Daraufhin habe er ihr ins Gesicht geschlagen. Um einen erneuten Griff zu verhindern, habe er sie an den Schultern und am Hals gepackt und ihren Oberkörper nach unten gedrückt. Von ihrem Tod habe er bis zu seiner Verhaftung nichts gewusst.

Er habe sie angefleht, bei ihm zu bleiben, sagte er ein andermal; sie habe Nein gesagt. Da sei er ausgerastet, habe sie einmal mit der flachen Hand gegen die Wange geschlagen. Als sie bei ihrem Nein blieb, habe er sie von vorn mit beiden Händen am Hals gefasst und sehr heftig zugedrückt und geschüttelt, "um sie zur Besinnung zu bringen". Nach ein bis zwei Minuten sei sie zusammengesackt. "Wie man ein Kind trägt", habe er die Frau dann ins Haferfeld geschafft, sie entkleidet und vergewaltigt. "Ich dachte, sie sei bewusstlos", sagte M. vor Gericht. Ein Versuch, seine Welt zu retten.

Karen O. war zweimal gewürgt worden, erklärte Brinkmann. Beim ersten Mal habe es ein so genanntes Anersticken gegeben, ein Phänomen, das aus der Schockforschung bekannt sei. Zwischen den beiden Attacken lagen 30 bis 90 Minuten. Erst der zweite Angriff war tödlich. M. hatte sein Opfer nicht im Affekt getötet, bedeutete dieses Gutachten. Es war keine Körperverletzung mit Todesfolge, sondern Mord. Offenbar hatte es Streit gegeben in jener Nacht. M. wollte Sex, Karen O. weigerte sich. Also schlug er sie. Dann drückte er die junge Frau am Hals und an den Schultern zu Boden und zwang sie zum Oralverkehr. Auf dem Grünstreifen der Straße fanden die Polizisten Kampfspuren: aufgewühlte Erde, niedergedrücktes Gras, abgebrochene Äste. Hier hatte M. sein Opfer zum ersten Mal gewürgt. Als Karen O. bewusstlos wurde, schleppte M. sie in das Haferfeld. Dann zog er sie aus.

Karen O. gelangte noch einmal zu Bewusstsein, möglicherweise gab es erneut Streit. M. würgte die junge Frau ein zweites Mal, vielleicht, weil er ihr Schreien nicht ertrug. Als M. sich an ihr verging, hat sie sich schon nicht mehr bewegt. Ob sie bereits tot war, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. Erst nach der Tat hat sich Ulrich M. übergeben. Als Brinkmann das Anersticken erklärte, die zweite Würgeattacke, den minutenlangen Todeskampf, war es wie ein Schuldspruch. Der Richter klappte die Akte zu. Ulrich M. sagte nichts mehr.

Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Im Urteil heißt es, er habe "den Tod der Karen O. während der Tat in seinen Willen aufgenommen, um danach seine sexuelle Lust an der Leiche der Karen O. zu befriedigen". Ulrich M. wird frühestens 2017 aus dem Gefängnis entlassen. Sein Sohn ist dann 21, seine Tochter 15 Jahre alt. Seine Frau glaubt nach wie vor an seine Unschuld. Bernd Brinkmann, der Rechtsmediziner, wird im nächsten Jahr pensioniert. Während seiner Zeit als Kraftsportler habe M. häufig Mais gegessen, hat Brinkmann inzwischen erfahren, Monate nach dem Prozess. Das eine Maiskorn. Auch das letzte Rätsel ist gelöst.

(Quelle: "Der Spurenleser", Ausgabe 40 vom 29.09.2003, Seite