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Bankraubserie Nordbaden/Südpfalz

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Die Bankraubserie in Nordbaden und der Südpfalz gilt als eine der spektakulärsten Bankraubserien der deutschen Kriminalgeschichte. Sie begann im April 1995. Die Täter, die von der Presse oft als "Gentlemen-Räuber" betitelt wurden, überfielen insgesamt 21 Banken und Sparkassen. Die Serie endete am 10. Dezember 2010 in Karlsruhe mit dem Tod der Täter, als diese kurz nach einem Banküberfall auf der Flucht einen Schusswechsel mit der Polizei verursachten.

Die Bankraubserie gehört zu den bekanntesten und längsten Überfallserien Deutschlands und beschäftigte die Kriminalpolizei über etliche Jahre.

Der Fall wurde mehrfach bei XY thematisiert. So in den folgenden Sendungen:

  • Status: geklärt


Raubüberfälle

Die Täter gingen professionell vor. Sie suchten sich Banken und Sparkassen mit veralteten oder gar keinen Videoaufzeichnungsanlagen aus und spähten das Objekt tagelang aus. Bei ihren Taten traten sie resolut, aber immer höflich auf. Als sie beispielsweise einer in einem Geldinstitut festgehaltenen Geisel den Autoschlüssel geraubt hatten, um den Wagen als Fluchtfahrzeug zu nutzen, schickten sie ihn später zurück. Nach einem anderen Überfall entschuldigten sie sich per Brief. Daher wurden sie von den Ermittlern und vielen Presseorganen auch als Gentlemen-Räuber bezeichnet. Zunächst agierten sie zu dritt, ab 2002 nur noch zu zweit – ein Mann und eine Frau. Insgesamt erbeuteten sie über zwei Millionen Euro.

Die Serie begann am 13. April 1995. Zunächst überfielen sie die Sparkasse im Karlsruher Stadtteil Wolfartsweier. Ein halbes Jahr später, am 27. Oktober 1995, folgte in der Sparkasse im Philippsburger Stadtteil Rheinsheim der zweite Raub. Im Februar 1996 überfielen sie gleich zwei Geldinstitute: Am 2. Februar war es die Sparkasse in Altlußheim und am 9. Februar die Volksbank Speyer in Westheim (Pfalz). Im folgenden Monat, am 15. März 1996, betraf es die Sparkasse in Malschenberg und am 4. Juli 1996 die Sparkasse in St. Leon-Rot. Es folgte die Fahndung in XY in der Sendung vom 06.12.1996, doch es ergaben sich keine neuen Spuren zu den Räubern. Derweil schlugen die Täter in unregelmäßigen Abständen weiter zu: Am 23. April 1997 überfielen sie die Sparkasse in Altlußheim, am 12. August 1998 die Sparkasse Lustadt, am 4. Januar 1999 die RV-Bank in Bobenheim-Roxheim, am 22. Oktober 1999 zum dritten Mal die Sparkasse in Altlußheim und am 7. Dezember 2000 die Volksbank im Karlsruher Stadtteil Knielingen.

Die Täter pausierten 2001. Am 13. Juni 2002 setzten sie ihre Serie mit der Sparkasse Karlsruhe-Rüppurr weiter fort. In der Sendung vom 05.07.2002 wurde erneut nach den Tätern gefahndet, doch die Fahndung nach den "Gentlemen-Bankräubern" via XY verlief wie zuvor ergebnislos. Es schien niemand die beiden Gesuchten zu erkennen. Diesmal war es jedoch unmöglich, dass die Polizei eine neue Spur zu den "Gentlemen-Bankräubern" dank XY aufnimmt, da der in der Sendung besprochene Banküberfall vom 26. April 2002 überhaupt nicht auf das Konto der Serienbankräuber geht. Es handelte sich bei den Aufnahmen der Überwachungskameras also nicht um Mitglieder der Bande, die seit 1995 reihenweise Banken leerräumt. Somit war die Fahndung von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dass hinter diesem Überfall nicht die "Gentlemen-Bankräuber" steckten, war der Kripo jedoch erst viele Jahre später bewusst. Ob die eigentlichen Bankräuber, dessen Aufnahmen gezeigt wurden, jemals gefasst worden sind, ist unklar. Die "Gentlemen-Räuber" setzen derweil ihre Serie am 13. Juni 2002 mit der Sparkasse Karlsruhe-Rüppurr weiter fort. Es folgten zwei Überfälle auf die Sparkasse in St. Leon, und zwar am 24. Oktober 2002 und am 28. Januar 2004. Dabei ist es zum ersten Mal gelungen, zwei der Täter unmaskiert zu fotografieren. Es handelte sich um eine unbekannte Frau und einen unbekannten Mann, der hochdeutsch sprach. In der Sendung vom 01.04.2004 werden die Aufzeichnungen der Überwachungskameras präsentiert, doch wieder scheint niemand die beiden Gesuchten zu erkennen. Am 22. März 2005 war die Sparkasse in Malsch (bei Wiesloch) überfallen worden. Die Täter überfielen manche Geldinstitute mehrfach, wie die Volksbank Karlsruhe-Nordweststadt am 26. Oktober 2006 und am 24. Oktober 2007. Nach diesem Überfall erfolgte eine dritte Fahndung der Täter in XY in der Sendung vom 20.02.2008. Es wird berichtet, dass abermals neue Bilder dank der Überwachungskameras entstanden sind, da die Täter bei diesem Überfall nur notdürftig maskiert waren. Es handelte sich bei diesem Überfall erneut um einen Mann und eine Frau. Die Frau fiel zudem durch ein besonderes Accessoire auf - eine grau-weiß gemusterte Tasche der Marke Reisenthel. Der Jahrestakt setzte sich mit der Sparkasse Karlsruhe-Heidenstückersiedlung am 24. November 2008 und der Volksbank Mannheim-Käfertal am 3. Dezember 2009 fort. Am 13. Juli 2010 überfielen sie die Sparkasse Grünwinkel. Hierzu stiegen sie einige Tage zuvor in einem Hotel in Pforzheim ab, um sich auf den Raub vorzubereiten.

Die Bankräuber waren anfangs unmaskiert, tarnten sich dann bis 1999 durch Wollmützen mit Sehschlitzen, danach traten sie nur noch mit Perücken und Sonnenbrillen auf. Ihre Gesichter waren auf den Bildern der Überwachungskameras zu erkennen und die Phantombilder wurden im Laufe der Zeit immer besser.

Im Dezember 2010 veröffentlichte die Kriminalpolizei Karlsruhe ein neues Phantombild des männlichen Täters. Insgesamt war zu diesem Zeitpunkt eine Belohnung in Höhe von 50.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter geführt hätten.

Raubüberfall am 10. Dezember 2010

Am 8. Dezember 2010 fuhren die beiden Täter mit ihrem Privatfahrzeug nach Pforzheim, um dort im selben Hotel wie bereits im vergangenen Juli zu wohnen. Am 10. Dezember 2010 fuhren sie von dort aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Karlsruhe. Sie betraten kurz vor Geschäftsschluss gegen 16 Uhr eine in der Innenstadt gelegene Filiale der Volksbank Karlsruhe am Karlstor und überfielen diese. Nachdem sie das Geld eingesteckt hatten, sperrten sie die fünf Bankangestellten und vier anwesenden Kunden in einen separaten Raum und nahmen ihnen die Mobilfunktelefone ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte einer der Angestellten bereits einen so genannten „stillen Alarm“ ausgelöst, bei dem die Polizei automatisch alarmiert wird, in der Bank selbst kein Alarm zu hören oder zu sehen ist. Die Täter forderten auch diesmal wieder die Autoschlüssel der Anwesenden, um sich so ein Fluchtfahrzeug zu organisieren. Das Ansinnen blieb jedoch erfolglos, so dass sie die Bank zu Fuß verließen. Der Alarm lief kurz nach 16 Uhr bei der Polizei auf. In dem Augenblick, als die Täter die Bank verließen, traf der erste Streifenwagen der Polizei ein. Die Täter liefen auf die gegenüberliegende Straßenseite und eröffneten sofort das Feuer auf die Polizisten, wobei sie mindestens zehn Schüsse abgaben. Hierbei erlitt eine 28-jährige Polizistin einen Oberschenkeldurchschuss. Passanten wurden in der vorweihnachtlich belebten Einkaufsstraße nicht getroffen. Die beiden Polizeibeamten erwiderten das Feuer, indem sie ihrerseits 19 Schüsse abgaben. Dabei trafen sie sowohl die Täterin als auch den Täter jeweils mehrfach, wobei der Täter einen tödlichen Schuss in die Brust erhielt. Die angeschossene Täterin richtete sich im Zuge dieses Schusswechsels selbst, indem sie sich die Schusswaffe in den Mund hielt und sich in den Kopf schoss. Der Täter verstarb wenige Minuten später.

Der Täter hatte zwei Magazine mit insgesamt 28 Schuss bei sich. Nach Angaben eines Polizeisprechers seien die beiden Täter „ganz offenbar bereit“ gewesen, „sich den Weg notfalls auch freizuschießen“. Durch einen DNA-Abgleich des Identifizierungsmusters der Täter mit Tatspuren vergangener Tatorte konnte am 14. Dezember 2010 bestätigt werden, dass es sich bei den Tätern um die Serienbankräuber handelte.

Die in den Oberschenkel getroffene Polizeibeamtin ist noch am Tattag operiert worden, bleibende Schäden sind nicht zu erwarten. Die Kugel verfehlte nur knapp eine Arterie.

In der Sendung vom 12.01.2011 wird schließlich in XY von der Klärung der Raubserie berichtet.

Täter

Bei den Tätern handelte es sich um die 38 Jahre alte Růžena B. und ihren 40 Jahre alten Ehemann Jaroslav B. Beide stammten aus dem kleinen tschechischen Ort Dubenec im Bezirk Pibrans, etwa 120 Kilometer südwestlich von Prag gelegen. Růžena B. hatte einen zur Tatzeit 20-jährigen Sohn, dessen Stiefvater Jaroslav B. war. Vor ihm hielten sie ihre Taten geheim. Auf welche Weise die beiden ihre Beute in Höhe von 2.000.000€ anlegten oder ausgaben, ist unbekannt; sie lebten in Tschechien in einem bescheidenen Einfamilienhaus. Dennoch schätzte die Kriminalpolizei anhand der bisherigen Raubüberfälle die monatlichen Ausgaben der beiden auf rund 10.000 Euro und rechnete daher noch vor Weihnachten 2010 mit dem nächsten Raubüberfall.

Gegen einen dritten Täter, der an elf Raubüberfällen bis 2002 beteiligt gewesen sein soll, liefen nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Dezember 2011 Ermittlungen. Die Identität sei demnach bekannt, es habe aber noch kein Haftbefehl erwirkt werden können, da man dem Mann die Taten bisher nicht einwandfrei nachweisen konnte. Zudem spielt auch die Verjährungsfrist eine entscheidende Rolle - die Banküberfälle liegen schon mehr als ein Jahrzehnt zurück.

Sonstiges

Im März 2016 veröffentlichte die Autorin Marianne Paschkewitz-Kloß über den Lauinger Verlag den Roman "Die Gentlemen-Räuber". Die Handlung des Buches basiert auf der Bankraubserie Nordbaden/Südpfalz.

Quellen


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